#10 „wo bist du?“

Immer wieder fassen Menschen, die wir auf da-sein.de begleiten, ihre Trauer in kreativer Form in  Worte. Es spiegelt sich darin die Vielfalt der Möglichkeiten von Trauerbewältigung. Hier das bewegende Gedicht einer jungen Frau, die auf da-sein.de begleitet wird und nicht namentlich genannt werden möchte.

wo bist du?
ich suche, suche überall?
suche in jeder ecke,
in jedem winkel…

wo bist du?
ich frage, frage überall?
frage jeden den ich treffe,
jeden den ich find…

wo bist du?
ich rufe, rufe überall?
rufe so weit ich kann,
so laut es geht…

wo bist du?
ich schaue, schaue überall?
schaue an bekannten stellen,
an jeden ort…

wo bist du?
gehe zu jedem dunklen weg,
schreie in die schweigende welt hinaus,
schaue und horche an jeden ort…

wo bist du?
ich möchte dich finden!
möchte dich halten!
möchte dich ansehen!
möchte dich hören!
möchte dich fühlen!

ich drehe mich um, ich schaue zurück, schaue auf das, was damals war…
was ich sehe ist nichts von dir…
nichts gibt ein zeichen, dass es dich je gab…
nichts verrät mir etwas von dir…

wo habe ich dich verloren?
dass ich dich nicht mal mehr seh?
nichts von dir und deinem leben! wo ist es hin? was da mal war?

war es mal da? gab es das, was ich damals da sah?
gab es dich denn je? oder gab es dich nie?
gibt es dich jetzt? oder bist du nur ein schatten?

ich frage:
„warum du -mein spiegelbild- verzerrst du dich so?
warum sehe ich mich und mein leben nicht mehr da stehen?“

war denn nichts in meinem leben wahr?

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