# 30 Trauer ist wie Glück –

nur anders.

Ich bin traurig. Ich habe Glück. Mein Vater starb im Alter von 86 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Für alle völlig unerwartet verlor mein Vater nach ersten, harmlosen Anzeichen innerhalb von wenigen Wochen die Kontrolle über seinen Körper und verstarb friedlich, ohne lange leiden zu müssen. Mich trifft die Trauer nicht als jungen Menschen, nicht als Vater oder Partner, sondern als Sohn eines alten Vaters. Das empfinde ich als Glück in der Trauer. Immer war ich auf der Suche nach dem Glück im Sinne eines gelungenen Lebensentwurfes – und nun begegnet mir das Glück in der Trauer um meinen Vater. Darf ich diese Worte zusammenbringen, sie im selben Satz schreiben? Fünf Wochen nach dem Tod meines Vaters fühlen sich Glück und Trauer gar nicht so unterschiedlich an. Ein starkes Ergriffensein, in dem ich die Welt anders sehe. Wie ein Vexierbild, bei dem der Inhalt je nach Fokus umspringt, wie ein Lied, einmal in Moll, einmal in Dur gespielt, wie ein Regenbogen, während ich nass werde, wie die Schönheit einer Blume, die nur einen Tag blüht und dann vergeht, wie Glück im Unglück. Vielleicht lehrt mich mein Vater auf diese Weise, wie er es verstand, glücklich zu sein in seinem Leben.
Das Glück verbirgt sich in einem Sonnenstrahl ebenso wie in einem Vogelzwitschern. Das Glück kommt unerwartet, sagt nicht, wie lange es bleiben möchte und geht, ohne Tschüss zu sagen. Das Glück ist klein oder ganz groß, es füllt mein Herz aus und gibt mir Kraft. Glück ist Teil des Lebens, jeder sollte Glück haben in seinem Leben. Ich kann Glück nicht machen und ich kann Glück nicht wegmachen. Meine Wahrnehmung ändert sich, wenn ich glücklich bin, alles fühlt sich direkter an, lebendiger. Mein Herz ist offener, wenn ich glücklich bin, ich fühle mich in guter Verbindung zur Welt. Ich sehe Dinge klarer, Entscheidungen fallen leichter, die Welt fühlt sich stimmiger an. Die Proportionen stimmen, kleine Probleme bleiben klein und das Gefühl, angenehm bedeutsam-unbedeutsam im großen Gefüge der Zeit zu sein, entspannt die innere Lage.
Die Trauer verbirgt sich in einem Sonnenstrahl ebenso wie in einem Vogelzwitschern. Die Trauer kommt unerwartet, sagt nicht, wie lange sie bleiben möchte und geht, ohne Tschüss zu sagen. Die Trauer ist klein oder ganz groß, sie füllt mein Herz aus und gibt mir Kraft. Trauer ist Teil des Lebens, jeder sollte Trauer haben in seinem Leben. Ich kann Trauer nicht machen und ich kann Trauer nicht wegmachen. Meine Wahrnehmung ändert sich, wenn ich traurig bin, alles fühlt sich direkter an, lebendiger. Mein Herz ist offener, wenn ich traurig bin, ich fühle mich in guter Verbindung zur Welt. Ich sehe Dinge klarer, Entscheidungen fallen leichter, die Welt fühlt sich stimmiger an. Die Proportionen stimmen, kleine Probleme bleiben klein und das Gefühl, angenehm bedeutsam-unbedeutsam im großen Gefüge der Zeit zu sein, entspannt die innere Lage.

Dirk, 53 hat das Sterben seines Vaters begleitet und darüber geschrieben. Seine nachgehenden Gedanken und Gefühle teilte er bereits in den Blogs 26-28.

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