#44 „Das Leben meint es gut mit mir“ von Tatjana Wendt

oder

Engel gibt es wirklich…

Da war es wieder, dieses unerträgliche Schweigen in der Nacht.

Tausend Gedanken kreisen und immer wieder die eine quälende Frage – WARUM?

Und dann – Schweigen.

Eine Antwort gibt es nicht. So sehr ich auch bete und flehe – nichts.

All die Pläne und Ziele lagen vor mir. Zerschlagen, ein Haufen von Scherben.

Vorüber war die Zeit des Hoffens und Bangens, des Sich- Anklammerns an jeden noch so feinen Strohhalm.

Gedanken überschlagen sich.

Wenn ich damals früh genug….

Hätten wir doch vorher…

Wäre mir doch zeitiger aufgefallen…

Eine Endlosschleife, die ins Nichts führt.

Nun ist es vorbei.

Vorüber mit einem allerletzten Atemzug.

Und dann – Schweigen.

Du musst das alles hinter dir lassen.

Du musst endlich nach vorne blicken.

Du musst dich wieder dem Leben zuwenden.

Du musst abschließen.

Du musst endlich…. LOSLASSEN.

Ratschläge, gut gemeint, gewiss. Aber eben Rat- Schläge.

Wie soll das gehen?

Hinter mir lassen, dem Leben zuwenden, nach vorne blicken, abschließen…?

Wo gibt es sie denn, die Pille zum LOSLASSEN?

Wenn doch die Gedanken an ihn, die Erinnerungen, das Einzige sind, was mir geblieben ist??

Vielen von euch mag es so ähnlich ergehen.

Vielen, die einen geliebten Menschen verloren haben.

Das Leben meint es gut mit mir,

oder

Engel gibt es wirklich…

Von einer Freundin bekam ich den Hinweis, dass es da möglicherweise etwas für mich geben könnte.

Anfangs war ich etwas skeptisch – ich wollte nichts mehr MÜSSEN. Wollte keine weitere Therapie oder Gesprächsrunde, wollte meine Geschichte nicht noch einmal erzählen müssen und die alten Wunden wieder aufreißen. Irgendwie hatte ich mit der Zeit gelernt, mich mit dem Verlust zu arrangieren. Ich hatte bestimmte Gedanken und Gefühle von mir abgekapselt und gut verpackt im Keller meines Unterbewusstseins verstaut. Nicht hinspüren, nicht nachdenken…. dann war alles gut.

Ich hatte mein neues Lebensmotto gefunden: Lieben bedeutet Schmerz und Leid. Leiden will ich nicht mehr, also meide ich alles, was mit Liebe im Zusammenhang steht. So weit es eben ging. Doch sie waren immer noch da. Diese verpackten und verstauten, unbearbeiteten und verdrängten Gedanken und Gefühle. Tief unten in meinem Unterbewusstseins- Keller.

Als mir meine Freundin dann aber erklärte, es seien einfach „nur“ spezielle Audiodateien, die ich mir anhören sollte, hab ich mich darauf eingelassen. Zu meinem großen Glück. Die Audiodateien arbeiten mit Binauralen Beats, ich bräuchte gar nichts tun, außer, sie mir regelmäßig anzuhören. Diese Beats lösen eine bestimmte Reaktion im Gehirn aus, dabei verändert sich die Frequenz der Gehirnwellen, so wie es auch bei Meditationen der Fall ist.

SELBSTLIEBE hieß die Datei und schon beim ersten Anhören merkte ich, wie wohl mir die Affirmationen und die Musik taten. Tränen kamen ins Fließen. Ich ließ es einfach geschehen. Mit jedem Anhören fühlte ich mich leichter und freier.

Später hab ich eine weitere Audio hinzugezogen – LOSLASSEN.

Und immer noch merke ich, wie viel sich durch das regelmäßige Anhören in mir verändert, was alles in Bewegung, in die Heilung kommt.

Ich habe gelernt, alles braucht seine Zeit. Meine Zeit.

Ich habe gelernt, alles darf seinen Raum haben.

Trauer darf ihren Raum einnehmen. Den Raum, den ich ihr schenke.

Ich habe gelernt, aus den Scherben neue Träume und Ziele zu erschaffen.

Ich habe gelernt, mich selbst zu lieben.

Und ich lerne immer noch – LOSLASSEN.

Frei und unbeschwert fühlen, denken, lachen, singen, tanzen – leben.

Das Leben meint es gut mit mir

und

Engel gibt es wirklich!

Dieser Erfahrungsbericht stammt von einer Leserin des Blogs. Sie hat für sich einen Weg durch ihre Trauer gefunden und teilt ihn mit uns. Vielen Dank dafür. An dieser Stelle möchte ich alle Leser*innen ermutigen, mir gerne Texte oder Ideen zu schicken, die Ihr teilen möchtet.

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