#49 „Kampf“ mit den Worten

Im Umgang mit erkrankten Menschen fallen häufig Sätze, die Worte wie „kämpfen“ beinhalten. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, was das für die Betroffenen bedeuten kann? Am 27.10.2017 (aktualisiert am 02.11.2017) ist in der Frankfurter Allgemeine ein Artikel erschienen, der mich seitdem nachhaltig begleitet. Er widmet sich dem Umgang mit Menschen, die an Krebs erkrankt sind. Auf da-sein.de begleiten wir regelmäßig junge Menschen mit diesem Schicksal. (Auf dem Bild könnt ihr ein paar Zitate aus ihren E-Mails an da-sein.de finden, die – wie immer hier in diesem Blog – von ihnen zur Veröffentlichung freigegeben wurden.)

Du musst kämpfen
Das sagen Ärzte und Angehörige und alle, die es gut meinen mit dem Krebspatienten. Doch oft machen sie dem Kranken das Leben so noch schwerer – und das Sterben auch.

Von MARKUS GÜNTHER

Einmal, es ist schon ewig her, da habe auch ich diesen Satz gesagt: „Du musst jetzt kämpfen!“ Keinen anderen Satz meines Lebens bereue ich so sehr wie diesen.

Dabei ist es ein Allerweltssatz, der an Popularität in all den Jahren seither nichts eingebüßt hat und gewiss auch gerade heute irgendwo fällt, und das in bester Absicht. Jetzt musst du kämpfen – das ist die reflexhafte Antwort der allermeisten Menschen, wenn ihnen ein Freund, Kollege oder naher Verwandter offenbart, dass er Krebs hat. Es ist der Versuch, die Todesangst zu verdrängen und stattdessen in die Gegenoffensive überzugehen, wenigstens rhetorisch. Krebs und Kampf scheinen sprachlich und gedanklich zusammenzugehören wie Angriff und Verteidigung. Was könnte man dem Patienten auch Besseres zurufen als diesen optimistischen Appell, jetzt bloß nicht den Mut zu verlieren, sondern alle Abwehrkräfte zu mobilisieren und den entschlossenen Kampf gegen die schreckliche Krankheit aufzunehmen? Es klingt so plausibel. Doch nicht alles, was sich richtig anfühlt, ist klug und hilfreich. Tatsächlich ist der Satz und der Gedanke, der sich damit verbindet, eine Katastrophe. Er hinterlässt oft eine Schneise der Verwüstung in den Seelen todkranker, leidender und sterbender Menschen. Er vergrößert den Kummer und verschlimmert das Leid. Höchste Zeit für ein Plädoyer gegen die Kampfrhetorik am Krankenbett.

Den vollständigen Artikel könnt ihr unter folgendem link finden:

https://www.faz.net/-guw-937p6

Quelle: F.A.S.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2001–2019

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